Obdachlosigkeit
Wir als Organisation: Social Mistake Fürsorge gUG (haftungsbeschränkt) in unserer Arbeit - möchten uns mit dem Thema Obdachlosigkeit in Deutschland befassen und auseinandersetzen. Wir haben dieses Thema gewählt, weil wir uns für gesellschaftliche Themen im Allgemeinen und dabei besonders für den sozialen Bereich interessieren.
Bei der Obdachlosigkeit handelt es sich um ein ernstzunehmendes Problem unserer Zeit.
Obdachlosigkeit ist eine der schlimmsten Auswirkungen von Armut.
Sie stellt eine Schattenseite unserer Wohlstandsgesellschaft dar. Besonders auffallend ist, dass sie gerade in einem so reichen Land wie Deutschland in dem Maße auftritt. Dennoch scheint es den Großteil aller Deutschen kaum zu berühren. Wir sind in unserem Alltag ziemlich weit weg davon. Die meisten Menschen verschließen ihre Augen vor dem Thema Armut, nicht selten wird dieses Problem gänzlich aus dem Bewusstsein gedrängt.
Dabei darf man nicht vergessen, dass jedem ein plötzlicher sozialer Abstieg drohen kann.
Jedem kann solch ein Schicksal widerfahren und es kann passieren, dass man dann plötzlich ganz allein dasteht.
Obdachlose sind eine Randgruppe der deutschen Gesellschaft.
Es stellt sich die Frage, ob die Obdachlosen von ihr ausgegrenzt werden und ob sie sich ausgegrenzt fühlen. Wenn ja, wie kommt es zu dieser Ausgrenzung?
Worin liegen die Ursachen?
Eine anschließende Überlegung ist, ob es für die Betroffenen Chancen gibt wieder Fuß zu fassen in der Gesellschaft. Es wäre wünschenswert zu erreichen, dass die Menschen sich mit diesen heiklen Fragen auseinander setzen.
Uns ist diese Möglichkeit gegeben, indem wir das Thema zum Gegenstand unserer Arbeit machen. In diesem Rahmen können wir uns intensiver mit der Obdachlosigkeit befassen und das Thema systematisch vertiefen. Zum Verständnis der Arbeit werden wir zunächst einige wichtige Hintergrundinformationen darlegen, um die Lebenssituation und Schwierigkeiten der Betroffenen zu veranschaulichen. Außerdem werden wir Hilfsmaßnahmen aufzeigen und prüfen, ob sie geeignet sind, diese Randgruppen wieder zu integrieren. Unseren Schwerpunkt legen wir auf die Frage, wie die Gesellschaft mit der Problematik der Obdachlosigkeit umgeht und wie die Mehrheit der Menschen den Obdachlosen gegenübertritt.
Obdachlosigkeit ist kein neues Phänomen.
Es trat bereits in früheren Jahrhunderten auf und zunehmend seit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert mit der Entstehung eines freien Arbeitsmarktes. Die Betroffenen wurden damals und bis ins 20. Jahrhundert hinein in Arbeitshäuser gesteckt oder kurzerhand aus den Städten vertrieben. Später wurden sie von den Nationalsozialisten verrufen als „arbeitsscheue Nichtsesshafte“.
Tausende ließen ihr Leben in Konzentrationslagern.
Auch heute noch leben in den meisten westlichen Industrieländern viele Obdachlose.
Man trifft auf sie gehäuft in den Armutsgebieten der Großstädte. Dabei ist Wohnungsnot kein Phänomen, das sich auf die Ballungsräume beschränkt. Dies belegt eine Studie des Kreises Gießen, welche ergab, dass in den kreisangehörigen Gemeinden durchschnittlich mehr Wohnungsräumungen stattfinden als in der Stadt selbst. Der am häufigsten ermittelte Grund für die Wohnungsräumungen sind Mietschulden aufgrund fehlender eigener Geldmittel. Die Anzahl der Mietschuldner wächst beständig. Dies ist auch kaum verwunderlich angesichts der hohen Preise auf dem Wohnungsmarkt. Sie sind in den letzten Jahren von den Vermietern immer weiter in die Höhe getrieben worden. Gerade in Großstädten ist der Wohnraum sehr teuer und äußerst knapp bemessen. Insbesondere fehlt es an adäquatem Wohnraum im 1- bis 2-, und 4- Zimmer-Bereich. Hier kommt es zu Engpässen. Außerdem lässt sich von einer Fehlbelegung sprechen. Der Staat förderte dereinst den Bau von Wohnungen mit 2 bis 3 Zimmern, verfehlte damit aber den Markt. Sie stehen heute zu erstaunlich großen Mengen leer.
„Wohnraumproblematik bildet oft den erstaunlichen Auftakt zur Verarmung: Wohnungsnot betrifft zuerst gesellschaftliche Randgruppen und einkommensschwache Schichten - darüber hinaus aber zunehmend einen wachsenden Teil der Gesamtbevölkerung.“
Die schlechte Lage auf dem Arbeitsmarkt trägt ihren Teil zur Situation bei. Für Langzeitarbeitslose ist es schwierig die Miete aufzubringen und dadurch ist es schwer die Wohnung auf lange Sicht zu halten. Auch die staatliche Unterstützung durch Arbeitslosengeld und Sozialhilfe reicht hier oft nicht mehr aus.
„Häufig treffen Arbeitslosigkeit, Verschuldung und zu wenig bezahlbarer Wohnraum zusammen mit individuellen Ursachen wie Kindheitstraumata, Alkohol- und Drogenkonsum, Ehekrisen, Einsamkeit und fehlender sozialer Unterstützung durch Freunde und Familie. Oft kommen noch juristische und polizeiliche Komplikationen hinzu und der Schritt auf die Straße ist nicht mehr weit.“
Meist verläuft der Weg in die Obdachlosigkeit in etwa so:
Der Vermieter reicht aufgrund von Mietrückständen eine Räumungsklage beim Gericht ein, woraufhin es zur Verhandlung und anschließend zur Zwangsräumung kommt. Dem obdachlos Gewordenen wird eine Notunterkunft von der Stadt zugewiesen. Hat man einmal seine Wohnung verloren, stößt man wegen der angespannten Wohnungsmarktsituation auf Schwierigkeiten wieder einen Wohnplatz zu finden. Die Vermieter suchen „verlässliche“ Mieter, sie haben Vorurteile gegenüber den Obdachlosen, und scheuen sich ihre Wohnungen gerade an sie zu vermieten.
Hat ein Obdachloser dazu noch einen Hund ist es für ihn nahezu unmöglich.
Die Ursachen für Obdachlosigkeit sind vielfältig.
In den seltensten Fällen aber steckt bloße Faulheit der Betroffenen dahinter.
Es kann jeden treffen.
Jeder Mensch kommt in seinem Leben in Situationen, in denen es ihm zumindest zeitweise nicht mehr gelingt dem enormen Leistungsdruck, der gerade in der heutigen Zeit in unserer Gesellschaft auf das Individuum ausgeübt wird, standzuhalten. Individuelle Probleme wie fehlende berufliche Qualifikation, finanzielle Schwierigkeiten und Schulden, Krankheit, Scheidung, Drogen oder Haftstrafen können dann zum Auslöser eines sozialen Abstiegs werden. Auch der Verlust des Arbeitsplatzes oder bei Jugendlichen die Kündigung der Lehrstelle kann dazu führen. Entscheidend ist, wie man persönlich gelernt hat mit diesen Problemen umzugehen. Hält man ihnen nicht stand und hat man kein stabiles soziales Umfeld, das einen auffängt, kann man schnell in einen gefährlichen Abwärtsstrudel geraten. Deshalb sind vor allem alleinstehende Personen betroffen.
Konservative Kräfte suchen die Schuld oft ausschließlich in persönlichem Versagen.
Dies ist u.E. nicht berechtigt, da es in der Natur des Menschen liegt, dass er eine bestimmte individuelle Grenze hat, bis zu der er in der Lage ist, Schicksalsschläge auszuhalten und mit ihnen umzugehen. Man kann es niemandem zum Vorwurf machen, wenn er mit den Anforderungen dieser Gesellschaft nicht zurechtkommt und nicht mithalten kann. Den geringen Prozentanteil, der das Leben auf der Straße freiwillig lebt, etwa aus Protest gegenüber dem Staat, lassen wir bei dieser Überlegung außen vor. Eine andere Position geht davon aus, dass die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen verantwortlich für die Entstehung einer solchen Randgruppe sind.
Dies entspricht eher unserer Organisation Sichtweise.
Der Entstehung von Reichtum steht als Gegenbewegung die Entstehung der Armut gegenüber, wachsende Armut ist also unausweichliche Folge der ungleichen Verteilung des Reichtums in unserer Gesellschaft. Demnach schafft Reichtum Obdachlosigkeit.
Einziges wirksames Mittel wäre die konsequente Umverteilung des Reichtums.
Die Obdachlosigkeit kann sowohl individuelle als auch gesellschaftliche Ursachen haben.
In den meisten Fällen kommt beides zusammen. Und nun auch noch mit dem Virus „Corona“.
„Bleiben Sie zuhause!“ So lautete im Frühjahr 2020 der Appell der Bundesregierung.
Da die Fallzahlen derzeit wieder steigen, sind auch heute die Menschen wieder angehalten, ihre Kontakte einzuschränken.
Weitere Maßnahmen, um die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen, sind derzeit im Gespräch. Besonders für Wohnungslose ist die Corona-Krise eine große Herausforderung.
Denn die, die kein Dach über dem Kopf haben, können nicht zu Hause bleiben und auch der Zugang zu einer sanitären Versorgung ist oft nur eingeschränkt möglich.
Angesichts des Winters könnte sich die Lage für sie weiter verschärfen.
Armut in der Bundesrepublik Deutschland
In einem reichen Wohlfahrtsstaat, wie der Bundesrepublik Deutschland, ist Armut ein höchst umstrittenes Thema. Die Existenz von Armut wird oftmals negiert, da diese nicht deutlich durch Massenelend und Unterversorgung ersichtlich wird. Im Gegensatz zu Ländern der sog. Dritten Welt, muss in der BRD heute niemand mehr verhungern, was fälschlicherweise als Beweis dafür dient, dass Armut hierzulande nicht mehr vorzufinden ist.
Tatsache ist jedoch, dass sich Armut in unserer Wohlstandsgesellschaft zunehmend ausbreitet und die Armutsrisikoquote ansteigt, so dass das Thema der Armutsfrage an sozial- und gesellschaftspolitischer Brisanz gewinnt. Herbert Jacobs drückte dies in seinem 1995 erschienenen Zeitschriftenartikel „Armut – Zum Verhältnis von gesellschaftlicher Konstituierung und wissenschaftlicher Verwendung eines Begriffs“ folgendermaßen aus: „Das Thema Armut hat zur Zeit Konjunktur.“
Die Neue Armut
Die neue Armut ist im Kontrast zur alten Armut nicht mehr als Randgruppen- oder Minderheitenphänomen zu charakterisieren. Soziale Ungleichheit ist schlechter wahrnehmbar, weil das Verarmungsrisiko bis in mittleren Sozialschichten vordringt. Bisher ungefährdete Berufsgruppen, wie z.B. überqualifizierte Facharbeiter und Akademiker, sind von Arbeitslosigkeit und Armut betroffen. Durch die Entstehung prekärer Beschäftigungsverhältnisse, sog. Billiglohnjobs, ist auch ein Teil der erwerbstätigen Bevölkerung vom Armutsrisiko bedroht.
Weitere neue Formen von Armut hängen mit der Massenarbeitslosigkeit, der großen Anzahl von Ehescheidungen sowie der Überschuldung zusammen.
Die neue Armut kann tendenziell jeden treffen. Als Übergangsarmut ist sie eine vorübergehende, aktiv bewältigte Episode im Lebenslauf. „ Armut ist nicht länger Ausdruck einer prinzipiell falsch strukturierten Ungleichheitsgesellschaft, sondern Konsequenz einer alles in allem erfolgreichen Marktgesellschaft, in der Armut i.d.R. kein lebenslanges Schicksal, sondern zumeist eine temporäre soziale Betroffenheit im beschleunigten sozialen Wandel ist.“
Die neue Armut wird auch mit dem Begriff der „70-20-10-Gesellschaft“ verknüpft. Nach dieser Theorie werden 70% der Bevölkerung nie mit Armut konfrontiert, während 20% zeitweise von ihr betroffen sind. 10% der Population bleibt längerfristig bzw. ständig arm.
Armut in der Bundesrepublik Deutschland
In der Bundesrepublik Deutschland leben heute mehr als 7 Millionen Menschen, darunter ca. 1 Millionen Kinder unter Armutsbedingungen. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, erhielten am Jahresende 1998 in Deutschland 2,91 Millionen Personen in 1,51 Millionen Haushalten Sozialhilfe in Form der „laufenden Hilfe zum Lebensunterhalt“, um ihren Grundbedarf vor allem an Nahrung, Kleidung, Unterkunft und Heizung decken zu können. Das waren rund 3,5 Prozent der Bevölkerung. Trotz oben erwähnter Schwierigkeiten soll die Armut in der BRD unter dem Aspekt einer relativen Armut im ökonomischen Sinn betrachtet werden.
Auch die Auswirkungen ökonomischer Benachteiligung auf das soziokulturelle Umfeld der Betroffenen sollen beleuchtet werden. Im direkt Folgenden aber geht es zuerst darum, welche Gruppen der Gesellschaft besonders stark betroffen und deshalb marginalisiert sind und welche Ursachen diese Personenkreise zur Randschicht der Armen werden lassen.
Risikogruppen und Ursachen
Risikogruppen sind Bevölkerungsgruppen mit einem besonders hohen Anteil von Armen.
Mit dem Wandel der Armut ergab sich im Vergleich zur ersten Hälfte unseres Jahrhunderts eine teilweise Veränderung der Struktur der Risikogruppen.
Frauen allgemein, vor allem ältere Frauen
Dennoch sind Frauen heute wie jeher stärker von Sozialhilfebedürftigkeit betroffen als Männer.
In den 80er Jahren schien sich der geschlechtsspezifische Unterschied zwar anzugleichen, diese Angleichung wurde in den 90ern aber wieder gestoppt. Während 1996 zum Beispiel 1366000 Frauen Sozialhilfe in Anspruch nahmen, waren es im gleichen Jahr nur 1043000 Männer. Am Jahresende 1998 lag der Anteil der weiblichen Sozialhilfeempfänger nach Ergebnissen der Vorwegberechnung mit 1405000 Frauen bei 56,2 Prozent.
Deutlich wird die Brüchigkeit der Ehe- und Familienversorgung, durch die Frauen häufig abgesichert sind, in den wachsenden Scheidungszahlen. Ulrich Beck bringt dies auf den Punkt. Er hat festgestellt, dass Frauen oft nur „einen Mann weit“ von der Armut entfernt seien.
Obwohl die Altersarmut insgesamt zurückgegangen ist, ist das Sozialhilferisiko bei Frauen im Rentenalter doppelt so hoch wie bei Männern gleichen Alters.Die empirischen Ergebnisse einer Altersstudie des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlin zeigen zum Beispiel, dass 1993 10,7 Prozent der über 85jährigen Frauen, aber nur 6,4 Prozent der über 85jährigen Männer in West-Berlin Sozialhilfe empfingen.
Hier bedarf es Hilfe von allen Seiten. Wahre Größe fängt meistens im kleinen Kreis an.
Manchmal muss der Mensch erst selber durch das Elend gehen, bevor er versteht seines nächsten zu helfen. Wie viel ein Menschenleben Dir wert ist, entscheidest Du mit Deiner Spende !