Zur Zeit betreiben wir zwei Kinderhäuser in Medan. Zur Betreuung der Kinder gehört ebenso die schulische Ausbildung in lokalen Privatschulen, sowie die gesundheitliche Versorgung über den indonesischen Standard hinaus. Dies beinhaltet Zahnprophylaxe, Sehtests und Bereitstellung von Sehhilfen, wo erforderlich, Vereinssport und weiterführenden Schulen. Das Hauptprojekt Kinderhäuser besteht wie man sehen kann aus noch vielen kleinen Unterprojekten für die wir jede Unterstützung gut gebrauchen können.
"Nach dem großen Tsunami, der in Indonesien mehr Menschenleben gekostet hat, als in Thailand und den anderen betroffenen Staaten, beschloss die Kinderhilfe auch in Indonesien ein Projekt zu starten. Deshalb bat man uns, meinen Mann John, der selbst Indonesier ist und mich, ein Kinderheim zu gründen. Da ich selbst einmal fast 10 Jahre in Jakarta gelebt habe, können wir beide fließend Indonesisch sprechen, was hier auf Dauer zwingend erforderlich ist. Als Standort bot sich Medan an, nicht nur weil mein Mann ein paar Jahre dort gelebt hatte, sondern auch, weil es als einzige Großstadt an das Katastrohengebiet Aceh grenzt und weil die Bevölkerung gemischt religiös ist (islamisch, christlich, buddhistisch). In Aceh, wo es vor allem eine streng islamische Gesellschaft gibt, hätten wir kaum die Erlaubnis bekommen ein Kinderheim zu gründen.
Auch in Medan gab es eine Menge Schwierigkeiten als wir im Jahre 2006 begannen nacheinander zwei Häuser zu kaufen und umzubauen. Trotz seines Alters schaffte es John aus einem baufälligen Haus in Eigenleistung zusammen mit einigen Arbeitern innerhalb von acht Monaten ein dreistöckiges Haus zu bauen. Dank der Verwendung von jeder Menge Stahl ist es vielleicht das einzige erdbebensichere Haus der Siedlung. Alle unsere Hausmütter haben das hiesige Abitur und können deshalb den Kindern gut bei den Schularbeiten helfen.
Unsere Kinder stammen aus, in Europa unvorstellbar, armen Verhältnissen. Sie haben keine Eltern mehr oder nur noch einen Elternteil, der kaum in der Lage ist, sie zu ernähren. Besonders die zuletzt gekommenen Kinder aus Mentawai kamen in Lumpen, ohne Sandalen oder anderes persönliches Eigentum, so dass wir erst einmal direkt im Großhandel Japansandalen, Shorts und T-shirts besorgen mussten. John nähte massenhaft kleine Röckchen, in die wir Gummiband einzogen. So mancher kleine Junge hier läuft inzwischen stolz mit Kleidern rum, die einmal meinen eigenen Kindern gehört haben.
Die Kinder sind uns alle ans Herz gewachsen und wir hoffen, dass sie in diesem schwierigen Land eine gute Zukunft haben werden. Aber schon jetzt sind die Kinder dankbar und sagen uns oft: "Uns ging es noch nie so gut!"