Anfal-Erinnerungsforum in Sumud/Rizgari, Kurdistan-Irak
Seit 2009 unterstützt HAUKARI e.V. Anfal überlebende Frauen in Sumud/Rizgary in Kurdistan-Irak bei der Errichtung einer selbst gestalteten und verwalteten Gedenk- und Begegnungsstätte. Das Erinnerungsforum soll für Anfal überlebende Frauen Ort der Trauer und des symbolischen Abschlusses sein, aber auch der Information, Begegnung und des Dialogs mit anderen gesellschaftlichen Gruppen in Kurdistan und im Irak.
1988 zerstörte Saddam Husseins Regime unter dem Codewort "Anfal" Tausende von Dörfern im Norden des Irak. Die Bevölkerung wurde zusammen getrieben und mehr als 100.000 Männer und junge Frauen wurden verschleppt und getötet. In den meisten Fällen ist ihr individuelles Schicksal bis heute ungeklärt geblieben. Viele Überlebende- darunter eine große Zahl allein stehender Frauen mit Kindern, verharrten in Lagern lange Jahre in provisorischen Lebenssituationen. Sie leiden bis heute unter den Folgen der Gewalt- und Verlusterfahrungen und der Ungewissheit über das Schicksal ihrer verschwundenen Angehörigen. Das Leid der überlebenden Frauen wurde über viele Jahre verstärkt durch politische Instabilität, ökonomische Notsituationen, das Ausbleiben politischer und gesellschaftlicher Anerkennung und Unterstützung und ein patriarchales und traditionelles Umfeld, das die Entwicklung neuer Lebensperspektiven für Frauen ohne männlichen Versorger nicht vorsieht. Seit dem Sturz des Baath-Regimes 2003 hat sich ihre ökonomische Situation erheblich verbessert: Ihre Kinder sind mittlerweile herangewachsen und die Frauen erhielten Häuser und Pensionen von der kurdischen Regionalregierung. Die Möglichkeit ihre Gewalt- und Verlusterfahrungen aufzuarbeiten, zu trauern und so einen Abschluss zu finden blieb ihnen jedoch bis heute verwehrt.
Mit der Initiative für ein Erinnerungsforum lösen sich die Frauen aus der ihnen zugeschrieben Rolle als passive Opfer und Symbole des Leids. Sie treten heraus aus dem Zustand des Verharrens und Wartens und gestalten die Debatte um Vergangenheitsbewältigung und öffentliche Gestaltung von Erinnerung aktiv mit. Inzwischen engagieren sich mehr als 100 Anfal überlebende Frauen in dem Projekt. Sie diskutieren die Gestaltungsentwürfe kurdischer KünstlerInnen und Architekten und verhandeln mit der kurdischen Regionalregierung die bauliche Umsetzung der Erinnerungsstätte.
Im Rahmen des Projekts ist eine Ausstellung von 40 Fotos entstanden, die Anfal Überlebende mit Erinnerungstücken an ihre verschwundenen Angehörigen zeigt. Die Ausstellung kann in Deutschland ausgeliehen werden. Ausführliche Informationen senden wir Ihnen auf Anfrage gerne zu
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