Amnesty International für ein Ende von "Verschwindenlassen" und politischen Mord
Tagtäglich werden Menschen von den Regierungen ihrer Länder ermordet. Sie werden Opfer staatlicher Morde, weil sie sich politisch engagieren oder einer bestimmten gesellschaftlichen Schicht angehören. Die Methoden sich missliebiger Bürger zu entledigen sind vielfältig. Häufig werden Menschen von Regierungskräften entführt, in geheime Haft genommen, gefoltert und misshandelt. Sie "verschwinden", ihre Spur verliert sich, so als hätten sie niemals existiert.
Das Schicksal "Verschwundener" ist von Land zu Land verschieden. Manche der Opfer werden über viele Jahre in Haft gehalten und anschließend ohne jegliche Erklärung wieder freigelassen. Sehr viel häufiger allerdings werden die zunächst als "verschwunden" gemeldeten Personen tot aufgefunden - von staatlichen Organen zu Tode gefoltert oder auf andere Art und Weise ermordet.
Blickpunkt Peru
In den frühen Morgenstunden drangen Soldaten auf das Gelände der am Rande von Lima gelegenen Universität La Cantuta ein und zwangen mehrere der anwesenden Studierenden sich mit dem Gesicht nach unten auf den Boden zu legen. Anschließend griffen sie sich neun junge Männer und Frauen heraus und führten sie gewaltsam ab. Ähnlich erging es dem auf dem Campus lebenden Dozenten Hugo Munos Sánchez. Er wurde von den Männern, die ihre Gesichter unter Kapuzen verborgen hatten, aus seiner Wohnung gezerrt, geknebelt und abtransportiert. Seitdem fehlte von den Verschleppten jegliche Spur. Ein Jahr nach ihrem "Verschwinden" wurden die Leichen der Studierenden und des Dozenten aus vier Massengräbern in der Nähe von Lima geborgen.
Amnesty International fordert, dass alle Morde, Fälle von "Verschwindenlassen", Folter und andere schwere Menschenrechtsverstöße, die von Sicherheitskräften und staatlichen Milizen verübt wurden, untersucht und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.