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Informationen zum Projekt

„Er versteht nicht, was Corona ist und was draußen vor sich geht, aber sein Lächeln ist unsere Hoffnung, unser Antrieb in diesen Zeiten der Unsicherheit und Angst!“ fasst Anjali Shee die Situation der Familie zusammen. Ihr Mann ist Gelegenheitsarbeiter bei einer örtlichen Fabrik, seit der Ausgangssperre verdient er nichts mehr. Ihr einziges Kind, der sechsjährige Adrik, leidet an einer autistischen Entwicklungsstörung; seit 2018 betreut unser Projektpartner Sanchar (1) die Familie im Dorf Bikihakola im Howrah Distrikt. Seither hat Adrik große Fortschritte gemacht und besucht mittlerweile die 1. Klasse der Grundschule, betreut von Sozialarbeiter Sanu Mukherjee. Auch wenn er das Corona-Virus nicht verstehen kann, spürt Adrik die Veränderungen, die Sorgen und Ängste der Erwachsenen: alle sind zuhause, die Schule ist geschlossen und nachmittags darf er nicht wie gewohnt mit seiner Mutter nach draußen. Am schwersten trifft es ihn, dass die sonderpädagogischen Förderstunden mit Sanu wegen der Ausgangssperre ausfallen. Sobald es an der Tür klopft, steht Adrik am Fenster, in der Hoffnung, draußen seinen Lehrer zu sehen, und kehrt dann aufgebracht zu seiner Mutter zurück. Für sie ist es schwer, den hyperaktiven Jungen zu beruhigen. Am Telefon schlägt Sanu vor, gemeinsam mit Adrik zu malen. Anjali Shee greift den Vorschlag dankbar auf und nach und nach gesellen sich Cousins und Cousinen, Onkel und Tanten und die Großeltern, die alle im gleichen Haus leben, hinzu. Adrik genießt das Zusammensein, und die anderen, die oft wenig mit Adriks „seltsamem“ Verhalten anfangen konnten, gewinnen einen neuen Blick auf den Jungen und seine künstlerischen Fähigkeiten. Die tägliche Malstunde ist für die Familie ein liebgewonnenes Ritual geworden und die Sorgen um die Zukunft – die Ersparnisse sind bald aufgebraucht und wer weiß, wann der Vater wieder arbeiten gehen darf! – rücken für diese Zeit in den Hintergrund.

Auch in den anderen Projektgebieten leiden Kinder besonders unter den Einschränkungen. In abgelegenen Adivasi-Dörfern, wie bei unserem Partner KJKS im Jhargram Distrikt, fällt es ihnen schwer, den ganzen Tag in den dunklen Lehmhütten zu bleiben, die meist weder Fenster noch elektrisches Licht haben. Wenn sie nicht in der Schule oder unserem Nachhilfezentrum sind, verbringen sie normalerweise viel Zeit im Freien, helfen den Eltern, toben im Dschungel, spielen Ball. Ähnlich die Situation in den Slums, in denen LGW&CDC in Kolkata tätig ist. Dort, wo sich die kleinen Verschläge der Familien dicht an dicht drängen, spielt sich das Leben hauptsächlich im Freien ab, Kochplätze und Wasserstellen nutzen mehrere Familien gemeinsam. In die engen Behausungen, oft kaum größer als ein Doppelbett, ziehen die Familien sich fast nur zum Schlafen zurück. Spielzeug gibt es in unseren Projekten fast nirgends, jetzt fehlen auch die Spielgefährten. Immer wieder entwischen die Kinder zum Spielen nach draußen – bis die Polizei sie, teils unter Androhung von Gewalt, wieder in die Häuser jagt.

Gemeinsam mit unseren Partnern schauen wir besonders auf  die Situation der Kinder und arbeiten daran, die Ausgangssperre für sie erträglicher zu gestalten. In einem ersten Schritt haben Krippenerzieherinnen und Nachhilfelehrer mit den Kindern per Telefon Kontakt aufgenommen, um mit ihnen über die Situation zu sprechen, gemeinsam zu singen, Gedichte zu lernen etc. Weil die Schulen bis September geschlossen bleiben und unklar ist, ob Nachhilfezentren und Kinderkrippen in den Projekten früher öffnen dürfen, überlegen die Mitarbeiter, wie sie vor allem die first generation learners (2) aus der Ferne unterstützen können. Digitaler Schulunterricht wird in Indien jetzt zwar an einigen Privatschulen praktiziert, ist aber für den größten Teil der indischen Schüler nicht umsetzbar, schon gar nicht in unseren Projektgebieten. (3)  In einigen Projekten wurden die Kinder aufgefordert, zu verschiedenen Themen zu malen oder kurze Geschichten zu schreiben, die in den Zentren ausgestellt werden sollen.

Ein großes Problem für die Kinder ist der Wegfall des täglichen staatlichen Mittagessens in den Schulen und ICDS-Zentren(4) . Zwar erhalten Familien als Ersatz zusätzliche Trocken-Rationen, die aber nicht ausreichen. Millionen Kinder in Indien leiden Hunger. In Zusammenarbeit mit unseren Partnern und mit Hilfe Ihrer Spenden wollen wir die ärmsten Familien individuell und effizient unterstützen, sei es finanziell oder durch Nahrungsmittel.

In den beengten Wohnverhältnissen bei Armut und Hunger ist die Gefahr häuslicher Gewalt und sexueller Übergriffe besonders hoch. Alle Projektpartner sind diesbezüglich gut ausgebildet. Dazu nahmen sie kürzlich an einem internationalen Online-Seminar unserer deutschen Dachorganisation VENRO teil, speziell für Corona-Situationen mit Ausgangssperren. Die Mitarbeiter versuchen, Vorkommnisse rasch zu erkennen, auch wenn dies ohne persönlichen Kontakt nicht leicht ist. (Immerhin ist auch die Polizei für das Problem mittlerweile sensibilisiert, wie unsere Kollegin Rusha Mitra in Kolkata selbst erlebte: als sie einen Passierschein beantragte, um ihren Eltern Einkäufe bringen zu können, war die erste Frage des Polizisten, ob sie denn aufgrund von häuslicher Gewalt zu ihren Eltern fliehen wolle. Hier hat die jahrelange Aufklärungsarbeit vieler NGOs Früchte getragen...)

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1) Projekt „Gemeindenahe Rehabilitation behinderter Kinder“
2)  Kinder, die als erste in ihrer Familie eine Schule besuchen
3) Nur 8 % der ind. Schüler haben zuhause Zugang zu Computer und Internet, mehr Jungen als Mädchen. Von den ärmsten 20 % der Haushalte sind es nur 2,7 %. S.a. https://scroll.in/article/960939/indian-education-cant-go-online-only-8-of-homes-with-school-children-have-computer-with-net-link
4) Integrated Child Development Services: Zentren für Schwangere, Stillende und Kinder bis sechs mit Schwerpunkt Gesundheit, Ernährung und Schulvorbereitung.

Weitere Hilfsprojekte von Indienhilfe e.V.

Trägerorganisation des Projekts

Indienhilfe e.V.

Indienhilfe e.V.
Register-Nr.: 652

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