Hilf uns helfen

HelpDirect finanziert sich durch Spenden. Unterstütze direkt unser ehrenamtliches Engagement mit deiner Spende!

Informationen zum Projekt

„Wenn ich groß bin, will ich Krankenschwester werden!“ erzählt die neunjährige Rekha mit glänzenden Augen. Zusammen mit ihren Eltern und ihren beiden älteren Brüdern lebt sie in Sarada Colony, der Siedlung der Ziegeleiarbeiter bei Malda, der Distriktstadt im Norden Westbengalens. Ursprünglich stammt die Familie aus Bihar, dem benachbarten Bundesstaat, aber Armut und Arbeitslosigkeit zwangen sie, ihre Heimat zu verlassen. Acht Monate im Jahr lebt die fünfköpfige Familie in einem kleinen Raum ohne Toilette, den ihnen der Ziegeleibesitzer zur Verfügung stellt. Während der Regenzeit kehren sie in ihr Heimatdorf nach Bihar zurück.

Seit zwei Jahren arbeiten Rekhas Eltern in der Ziegelei, ihr Verdienst liegt bei 75 bis 100 Rupien (1,50 bis 2 Euro) pro Woche, abhängig von der Anzahl der hergestellten Ziegel. Die Mitarbeit der Kinder ist unverzichtbar, um das Überleben der Familie zu sichern. Während die Eltern die Ziegel herstellen, ist es Aufgabe der Kinder, das benötigte Rohmaterial herbeizuschaffen. In der brütenden Hitze schleppen sie schwere Gefäße und Schalen mit Wasser und Lehm auf dem Kopf lange Strecken über das Ziegelfeld. Die Luft ist voller Staub und Ruß, das Atmen fällt schwer. Die meisten Kinder leiden an Augenentzündungen und Bronchialproblemen sowie an Unterernährung. Das Mittagessen besteht in Rekhas Familie aus Kichererbsenmehl mit Wasser und Salz, einer Mahlzeit, die schwer verdaulich ist und daher für einige Zeit das Hungergefühl unterdrückt. Am Abend gibt es Reis mit Kartoffeln, dessen Reste am nächsten Morgen gegessen werden. Gemüse und Obst kann sich die Familie nicht leisten, so dass den Kindern wichtige Vitamine fehlen.

Rekha ist glücklich: sie besucht die zweite Klasse der Kinderarbeiter-Schule unserer Partnerorganisation Rural Health Development Center (RHDC). Seit knapp zwei Jahren unterrichten dort zwei Lehrer täglich von 11 bis 13 Uhr 52 Kinder im Alter von 8 bis 14 Jahren. Dabei ist die Schule nicht nur Ort des Lernens, sondern man kümmert sich auch um die ganzheitliche Entwicklung der Kinder. Vor Beginn des Unterrichts haben die Kinder Zeit, sich beim gemeinsamen Spielen auszutoben und ihre Kindheit zu genießen. Bevor es schließlich ans Rechnen, Lesen und Schreiben geht, wird meditiert, um die notwendige Ruhe und Konzentration zum Lernen herzustellen. Anfangs bestand die Befürchtung, dass die Migrantenkinder durch lange Fehlzeiten den Anschluss an den Unterricht verpassen. Diese Sorge erwies sich aber als unbegründet: in ihren Heimatdörfern in Bihar und Jharkhand besuchen die Kinder eine Schule und der Wechsel der Unterrichtssprachen zwischen Bengali und Hindi stellt für sie kein Problem dar. Häufig sind es die Migrantenkinder, die besonders engagiert und regelmäßig am Unterricht teilnehmen. Ferner besucht regelmäßig ein Arzt die Schule und überprüft den Gesundheitszustand und die körperliche Entwicklung der Kinder. Im Gegensatz zu Rekha besuchen ihre Brüder keine Schule. Da sie älter und kräftiger sind als das zierliche Mädchen, können sie selbst Ziegelsteine herstellen und dadurch einen wesentlichen Beitrag zum Familieneinkommen leisten – jeder zusätzlich produzierte Ziegelstein bedeutet einen höheren Verdienst. Auch Rekha muss ausserhalb der Schulzeiten arbeiten. Wie viele Mädchen in ihrem Alter ist sie für die Versorgung des Haushalts und das Kochen zuständig, da die Mutter den ganzen Tag in der Ziegelei arbeitet.
Kinder wie Rekha und ihre Brüder gibt es viele in Indien. Insgesamt wird die Zahl der arbeitenden Kinder auf bis zu 100 Mio. geschätzt, je nach Definition und Altersgrenze. Ein Großteil von ihnen ist in der Landwirtschaft beschäftigt, als Viehhirten, Holzsammler oder Wasserträger. Zu den Tätigkeiten der Mädchen gehören Kochen, Putzen, Waschen und Hüten der jüngeren Geschwister, sei es im elterlichen Haushalt oder als Angestellte bei reicheren Familien, wo sie häufig Missbrauch und Gewalt ausgesetzt sind. Besonders schlimm ist die Situation jener Kinder, die in gesundheitsschädlichen Bereichen arbeiten müssen. Hierunter fallen beispielsweise Recycling-Einheiten, wo mit bloßen Händen Batterien in ihre Einzelteile zerlegt oder Glasscherben sortiert werden, Steinbrüche, in denen Kinder mit schweren Maschinen und Sprengstoffen arbeiten, und auch Ziegeleien, in denen Staub, Hitze und das Tragen schwerer Lasten die Gesundheit der Kinder negativ beeinträchtigen.

Mit der Gründung eines „Netzwerkes gegen Kinderarbeit in gesundheitsschädlichen Bereichen“ Anfang 2005 hat die Indienhilfe gemeinsam mit ihren indischen Partnern den Kampf gegen Kinderarbeit als neuen Schwerpunkt aufgenommen. Ziel ist es, durch ständigen Erfahrungsaustausch gemeinsam Modelle zu entwickeln, um Alternativen für die Kinder zu schaffen und ihre Rechte zu stärken. Angesichts des riesigen Aufgabenfelds und der Geschäftsinteressen derer, die von Kinderarbeit profitieren, wird zunächst mit einfachen Maßnahmen, wie Schulbildung und medizinische Versorgung, begonnen. Gleichzeitig wird versucht, über Lobbyarbeit ein Bewußtsein bei Regierung und Öffentlichkeit zu schaffen, um die Ursachen von Kinderarbeit langfristig zu bekämpfen.

Momentan besucht ein Historiker und Journalist aus Heidelberg als ehrenamtlicher volunteer die Projektpartner der Indienhilfe und recherchiert über die Situation von Kinderarbeitern in den jeweiligen Gebieten. Den Abschluß seiner sechsmonatigen Reise, die er komplett selbst finanziert, bildet ein zweitägiger Workshop, der zum einen der Lobbyarbeit und zum anderen der Weiterentwicklung des Netzwerks dient. Während am ersten Tag mit Vertretern der Regierung und der Öffentlichkeit Probleme bei der Umsetzung von Regierungsprogrammen im Kampf gegen Kinderarbeit erörtert werden, dient der zweite Tag der Ausarbeitung eines konkreten Aktionsplans des Netzwerks. Neben UNICEF werden die indische Kinderrechtsorganisation CRY (Child Rights and You) sowie die MV Foundation aus Südindien, die bereits 150.000 Kinderarbeiter erfolgreich eingeschult hat, ihre Modelle vorstellen und gemeinsam mit den Indienhilfe-Partnern das weitere Vorgehen diskutieren.

Für das Kinderarbeiter-Projekt „Sarada Colony“ von RHDC werden in diesem Jahr etwa 5.900 Euro benötigt, für zwei weitere ähnliche Projekte von RHDC im Malda Distrikt insgesamt 9.700 €. Für die vom Netzwerk gegen Kinderarbeit im August entwickelten Projekte rechnen wir mit weiteren Anträgen im Laufe des Jahres. Um den Kampf gegen Kinderarbeit zu unterstützen, spenden Sie bitte unter dem Stichwort „Kinderarbeit“.

Weitere Hilfsprojekte von Indienhilfe e.V.

Trägerorganisation des Projekts

Indienhilfe e.V.

Indienhilfe e.V.
Register-Nr.: 652

HelpRank - Transparenzsystem

Der HelpRank repräsentiert den Grad an Transparenz dieser Organisation.

  • DZI-Spendensiegel+4
  • Transparente Zivilgesellschaft+2
  • Satzung+1
  • Projekte+1
HelpRank Gesamt8 / 10
Was ist der HelpRank?

Spendenzertifikat

Spendenzertifikat

Als "Dankeschön" für deine Unterstützung erhältst du nach der Spende per E-Mail ein persönliches Spendenzertifikat. Eine kleine Erinnerung an deine gute Tat!

HelpDirect Auszeichnungen