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Informationen zum Projekt

Nachhaltig bewirtschaftetes Gemeindeland ermöglicht Massaifamilien den Naturerhalt und sichert ihr Überleben.

Kajiado im Süden Kenias. Weites Land von rund 21.900 Quadratkilometern Grasland mit Dornenbüschen und Akazien. Zebras, Strauße, Netzgiraffen, Elefanten und andere Wildtiere schweifen auf einer Hochebene, gesäumt von zwei Bergzügen (2.500 Meter hoch) umher. Etwas mehr als 800.000 Menschen siedeln auf diesem Land, weit mehrheitlich Massai. Sie leben von extensiver Viehzucht und -haltung. Kajiado ist ein weithin trockenes Gebiet mit durchschnittlich 300 Millimeter Niederschlag im Jahr. Nur am Fuße der Ngong Hills und des Kilimandscharo steigt er auf bis zu 1.250 Millimeter. Aufgrund sehr sandiger Böden kommt es zur schnellen Versickerung des Wassers bei hohen Verdunstungsraten. Für Pflanzen ist das Wasser nur kurz verfügbar. Jenseits der Gebiete am Fuße der Berge vertrocknen sie bereits drei Monate nach den Regenzeiten.

Zyklisch fallen heute alle drei bis fünf Jahre zwei bis drei Regenzeiten in Folge aus

War es noch vor zwanzig Jahren für die Massai-Hirten möglich, mit ihren Tieren die Region zu verlassen und in benachbarte Gebiete weiterzuziehen, ist dies heute aufgrund von Privatisierung von Land, Ausweitung von Industriegebieten rund um Nairobi und Ausweitung von privaten und staatlichen Reservaten nicht mehr möglich. Der Ausfall einer Regenzeit führt in der Regel zum Tod von rund 30 Prozent der Viehherden. Kommt es – wie in den letzten Jahren – zu einer Dürre mit Ausfall von drei Regenzeiten, verenden rund 80 Prozent der Tiere. Da die Massaifamilien von ihren Tieren abhängig sind, führt die Dürre zu Verelendung. Die Familien werden zu Nahrungsmittelhilfeempfängern.

Gemeinschaftlicher Landbesitz

Der Landbesitz der Massai war traditionell ein gemeinschaftlicher. In der Landpolitik der kenianischen Regierung Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre, wurde das Land von Kajiado entlang von Massai-Clans und Gewohnheitsrechten in sogenannte group ranches unterteilt. Innerhalb dieser sollte das Land gemeinschaftlich mit Vieh extensiv bewirtschaftet werden. In den 70er und 80er Jahren funktionierte das Modell. Doch dann änderte die Zentralregierung ihre Politik. Sie beförderte die Parzellierung und Privatisierung des Landes. Gleichzeitig traten aufgrund fehlenden Wissens und fehlender Finanzierungsmöglichkeiten Probleme im Management der group ranches auf. 38 der ursprünglich 54 group ranches entschieden sich für eine Parzellierung. So wurde Landverkauf ermöglicht. Das schnelle Geld lockte. Die Landtitel waren und sind bis heute in der Hand der Männer. Sie verkauften allmählich, stückchenweise, zumeist ohne Einbezug oder trotz des Protestes ihrer Frauen. Gleichzeitig mangelte es an Wissen und Techniken, Geld nachhaltig zu investieren. Es wurde meist konsumiert. In einigen Fällen verblieben Familien mit einem Landbesitz von 100 Hektar nach weniger als fünf Jahren nur noch zwei Hektar Land. Zu wenig für die Rinderhaltung. Das gibt der Boden nicht her. Auch die Wildtiere leiden unter der Parzellierung. Ihre Wanderrouten sind zunehmend durchtrennt, ihre Weidegründe nicht mehr zugänglich.

Die Bezirksregierung von Kajiado hat inzwischen gesetzlich verfügt, dass sie Landverkäufe nicht mehr genehmigt und keine neuen Landtitel ausstellt. Aufgrund von Korruption wird jedoch weiter verkauft. Gleichzeitig zeigen Studien, dass der Lebensstandard nicht-parzellierter group ranches (heute 16) durchgehend höher ist als der parzellierter group ranches. Auch sind die Landflächen der nicht-parzellierten groß genug, um nachhaltige Rinderzucht bei Erhalt der Ressourcen und Ausweitung geschützter Naturresorts zu betreiben.

Zukunft für 5.000 Massai Familien

Hier setzt unsere Partnerorganisation Sustainable Agriculture Community Development Programme (SACDEP) an: Die Mitglieder von fünf group ranches (insgesamt 5.000 Massaifamilien) werden dank gezielter Investitionen und Ausbildung in den kommenden fünf Jahren ihr Gemeindeland zu nachhaltigen, ökologisch bewirtschafteten Modellfarmen mit integrierten Naturresorts ausbauen. Natur und Tiere sollen erhalten und die Grundlagen für ein Einkommen der Massai erweitert werden. Diese nachhaltigen Modellkooperativen werden in der Lage sein, mit den Folgen des Klimawandels umzugehen und Perspektiven für die gemeinschaftliche Bewirtschaftung ökologischer Großfarmen einschließlich integrierter Weiterverarbeitung aufzuzeigen.

Die Massai werden dazu in Techniken geschult, ihre vorhandenen Ressourcen besser zu nutzen: Techniken nachhaltiger Weidewirtschaft und der Förderung der Biodiversität. Sie erweitern ihre landwirtschaftliche Tätigkeit. Der Druck auf Land, Bodenerosion in Folge der Überweidung, zunehmende Wüstenbildung und die Dürren lassen es nicht zu, weiterhin größere Viehbestände zu halten. Viehherden werden dementsprechend verkleinert und kleine, aufzubauende Kooperativen sollen die Weiterverarbeitung und Vermarktung der eigenen, einfach zu produzierenden Produkte wie Milch, Joghurt, Fleisch aber auch Gemüse und fünf Baumschulen betreiben und so zusätzliches Einkommen erzielen.

Zugang zu Wasser

Der Zugang zu Wasser soll über Bohrlöcher und Staubecken gesichert, Rindertauchbecken zum Erhalt der Tiergesundheit und Vermarktungskoppeln für die Rinder sollen eingerichtet werden, um Zwischenhändler auszuschalten. Nur ein Beispiel: Ein ausgewachsener Ochse wird in Kajiado für 30.000 Ksh verkauft, in Nairobi für 60.000 Ksh; eine Kuh erlöst in Kajiado durchschnittlich 40.000 Ksh, in Nairobi 75.000 Ksh. Wegen nicht organisierter Vermarktung werden Rinder derzeit von den Massaifamilien einzeln an Zwischenhändler verkauft. Der Tiertransport ist in keiner Weise tiergerecht und die Zwischenhändler erzielen einen durchschnittlich 80 bis 100 Prozent höheren Preis beim Verkauf in Nairobi. Dem soll durch die gemeinschaftliche Vermarktung der Tiere Einhalt geboten werden sowie durch den Aufbau angepasster, nachhaltig wirtschaftender Schlachthäuser.

Alle group ranches wollen Gebiete, in denen die Wildtierpopulation besonders groß ist, als Naturresorts erhalten. 29 ausgewählte Vertreter der Massai werden zu Rangern ausgebildet. Einfache Wärterhäuser werden gebaut. Ziel ist, Touren durch die Resorts für den Ökotourismus anzubieten, von denen die Massaifamilien direkt profitieren.

Die Massaifamilien bringen viel Eigenleistung in dieses Projekt in Form von Arbeit und lokal verfügbaren Materialien ein, wie Sand, Kiesel, Ballaststeine, Holz und deren Anlieferung.

Fünf Jahre haben wir uns – SACDEP, die group ranches und die Zukunftsstiftung Entwicklung – vorgenommen, um dieses Ziel des Aufbaus der Gemeindeland-Modellfarmen mit Naturresorts und Anlagen zur Weiterverarbeitung aufzubauen. Vier Jahre sind an Vorbereitung, an Studien, Workshops und Gesprächen bereits in dieses Vorhaben geflossen. Am 1. Januar 2018 ist das Projekt gestartet.

Wenn wir mit Ihrer Förderung in diesen fünf Jahren 325.000 Euro an Spenden einbringen können, leistet das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit 975.000 Euro. Rund 35.000 Menschen sollen von diesem Projekt profitieren. Das ergibt rechnerisch eine einmalige Investition von 9,28 Euro. Wir freuen uns auf Ihre Resonanz und Förderung!

 

 

 

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GLS Zukunftsstiftung Entwicklung
Register-Nr.: 892 Bochum

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