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Informationen zum Projekt

265.000 Euro hat der Arbeitsausschuss der Indienhilfe am 29. Februar 2020 für die Projekte in Indien bewilligt; die Planungen für das neue Projektjahr, das am 1. April 2020 beginnt, laufen auf Hochtouren. Projekt- und Budget-Pläne werden kritisch hin und her diskutiert, überarbeitet und angepasst. Doch dann kommt alles anders: das Corona-Virus breitet sich weltweit rasant aus und stellt das Leben in Deutschland und Indien komplett auf den Kopf. Das, was gestern noch Alltag war, ist von einem Tag auf den anderen nicht mehr möglich; Ausgangsbeschränkungen, Kontaktsperren und weitgehende Einschränkungen des öffentlichen Lebens werden von Tag zu Tag strenger. Für uns und unsere indischen Partner ist schnell klar, dass es jetzt mehr denn je unsere Aufgabe ist, für die Menschen in den Projektgebieten, die zu den Ärmsten der Armen gehören, die als Tagelöhner und Wanderarbeiter ihre Existenzgrundlage verloren haben, da zu sein, sie über die Corona-Pandemie und die notwendigen Hygiene-Maßnahmen aufzuklären, sie bei der Beantragung staatlicher Hilfsprogramme zu unterstützen und das Wohl der vielen tausend Kinder im Blick zu haben, die besonders unter der Situation leiden und von Mangel- und Unterernährung bedroht sind.

Unsere Partner haben zu Beginn der Pandemie rasch reagiert: in den Dörfern führten sie Aufklärungskampagnen zu den nötigen Hygiene-Maßnahmen durch und sammelten Handy-Kontaktdaten möglichst vieler Familien. Denn nachdem in Indien am 26. März eine der strengsten Ausgangssperren weltweit in Kraft trat, konnten sie nur noch telefonisch mit den Familien Kontakt halten, um zu erfahren, wie es den Kindern geht, die sonst regelmäßig in die Kinderkrippen und Nachhilfezentren  kommen, und wo die Not am größten ist. Immer wieder klärten sie in diesen Telefonaten auch über regelmäßiges gründliches Händewaschen mit Seife und den einzuhaltenden Mindestabstand auf.

Das Schicksal der Tagelöhner und Saisonarbeiter bewegt viele Inder. Vielerorts organisierten sie spontan private Hilfsaktionen zur Versorgung mit Nahrungsmitteln. Die Verteilung war teils chaotisch und willkürlich, wenn den Helfern der Einblick in die örtlichen Strukturen und die Bedürfnisse der einzelnen Menschen fehlte. Damit die Hilfe diejenigen erreichte, die am dringendsten darauf angewiesen waren, halfen Projektmitarbeiter bei der Verteilung wo immer möglich.

Auch die indische Regierung startete sofort Hilfsprogramme für die Menschen unterhalb der Armutsgrenze, vor allem die Ausgabe kostenloser (mengenmäßig jedoch teils unzureichender) Lebensmittel-Rationen. Bei der ersten offiziellen Verteilung von Nahrungsmitteln brach in vielen Dörfern Panik unter den hungernden Menschen aus; in Scharen strömten sie zu den Verteilungsstellen und drängten sich dort, ohne Einhaltung von Schutzabständen und teils handgreiflich. In vielen „unserer“ Dörfer eilten die Projektmitarbeiter der Polizei zu Hilfe. Durch ihre jahrelange Arbeit vor Ort genießen sie das Vertrauen der Dorfbewohner, die wissen, dass die Dorfhelfer für sie da sind und sie wo nötig bei der Durchsetzung ihrer Rechte unterstützen. So ließ sich die Situation meist beruhigen, die Menschen kehrten mit einer Wartenummer nachhause zurück und kamen erst wieder zur Ausgabestelle, wenn sie an der Reihe waren. Die Zusammenarbeit mit den staatlichen Stellen ist in allen unseren Projekten ein zentraler Punkt und unsere Partnerorganisationen erweisen sich nun auch in der Krise als verlässliche Partner der Behörden. Diese haben die Arbeit der NGOs zu schätzen gelernt und lockern mittlerweile die Ausgangssperren für NGO-Mitarbeiter, die mit einem staatlichen Passierschein ihrer Arbeit in den Dörfern nachgehen dürfen, sofern dies die Regierungsmaßnahmen unterstützt.

Wie überall gibt es auch in den Projektdörfern Menschen, die die Notlage anderer für ihren eigenen Vorteil zu nutzen wissen: Im Dorf Taranipur-52 erfuhren die Dorfbewohner, dass ein bestimmtes Formular binnen 4 Tagen  eingereicht werden musste, mit dem Tagelöhner eine einmalige staatliche Unterstützung in Höhe von 1.000 Rupien (ca. 13 Euro) erhalten konnten. Der Andrang war groß und gerade für Tagelöhner, oft kaum des Lesens und Schreibens mächtig, stellte das Ausfüllen eine nahezu unüberwindliche Hürde dar. Dankbar nahmen sie das Angebot des Sohns einer Bezirksabgeordneten an, das Formular gegen eine Gebühr von 15 Rupien für sie auszufüllen und einzureichen. Als der Kinderrechtsarbeiter Piklu Khan, der für unser Projekt zur Abschaffung von Kinderarbeit mit unserem Partner Seva Kendra Calcutta arbeitet, davon erfuhr, mobilisierte er das Kinderschutz-Komitee im Dorf. Es übernahm das Ausfüllen und Einreichen der Formulare kostenlos.

Einen Großteil des Budgets machen in unseren Projekten die Personalkosten aus, überwiegend für die Sozialarbeiter in den oft sehr abgelegenen Projektdörfern. Auch jetzt in der Krise gehen diese Dorfhelfer ihrer Arbeit nach, unter erschwerten Bedingungen und mit anderem Fokus als ursprünglich geplant, aber immer das Wohl der Kinder im Blick. Wöchentlich erhalten wir Arbeitsberichte aller Partner und seit 20. März treffen wir uns fast wöchentlich per Skype mit unserem indischen Experten-Team, den Projekt-Koordinatoren und teils Vertretern des Managements unserer Partner, um uns über die aktuelle Situation in den Projekten auszutauschen, Synergien zu schaffen und gemeinsam Strategien für das weitere Vorgehen zu entwickeln. Dieser Austausch hat Gemeinschaftsgeist und Verbundenheit untereinander gestärkt. Eine gemeinsame Arbeitsgruppe erstellt derzeit eine Webseite mit hilfreichen Links und lehrreichem oder unterhaltsamem Material für die Kinder und Jugendlichen in Zeiten der Corona-Beschränkungen, wenn das Verlassen der beengten Behausungen nicht erlaubt ist.

Ein wesentlicher Teil unserer Arbeit bestand in den letzten Wochen darin, zu entscheiden, welche zusätzlichen Maßnahmen wo am dringendsten notwendig sind, um die Verbreitung des Virus zu verlangsamen und die bedürftigsten Kinder und ihre Familien in diesen schwierigen Zeiten zu unterstützen – auch wenn wir keine großangelegte Notfallhilfe leisten können. In besonderen Härtefällen versorgen unsere Partner daher sorgfältig ausgewählte Familien (z.B. alleinstehende Mütter) mit Grundnahrungsmitteln (Reis, Linsen, Kartoffeln, Öl) und Hygieneartikeln (Seife und Monatsbinden für Mädchen und Frauen). Der Schwerpunkt liegt – wie bei all unseren Projekten – bei Familien mit Kindern, aber auch alten, alleinstehenden Personen in Not soll geholfen werden. Das Projekt unseres Partners SANCHAR, der sich um Kinder mit Behinderung kümmert, unterstützen wir übergangsweise mit lebenswichtigen, jetzt schwer erhältlichen Medikamenten.

Auch in der Corona-Krise bleiben wir unserem Credo der Hilfe zur Selbsthilfe treu: Unsere Partner stellen Frauen in lokalen Selbsthilfegruppen (SHGs) das Wissen und die Materialien zur Verfügung, um einfache Schutz-Masken zu nähen und Monatsbinden und Seife herzustellen. Außerdem nähen sie Beutel aus Stoffresten, in denen die Nothilfe-Pakete transportiert werden können, und dämmen damit die Flut an Plastikverpackungen ein, die mit der Verteilung von Hilfsgütern einhergeht. Um der drohenden Lebensmittelknappheit entgegenzuwirken, werden wir Küchengärten in all unseren Projekten besonders stark fördern, mit dem erforderlichen Training und der Beschaffung geeigneten Saatguts, damit möglichst viele Familien frisches Gemüse für den Eigenbedarf anbauen können.

Inzwischen planen die Projektpartner ihre Konzepte für die Zeit nach der Ausgangssperre. Hygiene-Maßnahmen und Abstandsregeln werden auch in Indien noch lange Zeit Alltag bleiben. Nun gilt es, die Projektmaßnahmen entsprechend anzupassen, auch wenn die Planungen von großer Unsicherheit begleitet sind, weil behördliche Entscheidungen und Genehmigungen abgewartet werden müssen. Für die nächsten Monate ist Flexibilität gefragt.

Nachtrag: Wie viel Flexibilität, ahnten wir bei Fertigstellung des Artikels nicht. Inzwischen hat am 20. Mai Zyklon Amphan mit bis zu 185 Stundenkilometern und sintflutartigen Regenfällen in all unseren Projektgebieten in Westbengalen immense Zerstörungen angerichtet – eine Katastrophe in der Katastrophe. Nur langsam erreichen uns erste Berichte. Das gesamte Ausmaß der Schäden kann noch nicht erhoben werden, weil fast überall Strom, Kommunikation und Zugangswege ausfallen, ebenso wie die Versorgung mit Trinkwasser und Lebensmitteln. Die Ernte ist vernichtet, Hütten und viele Häuser sind zerstört, Brunnen und Toiletten überschwemmt. Alle verfügbaren Kräfte des indischen Staates einschließlich Armee und lokaler Bevölkerung sind im Einsatz für Räumarbeiten und die Beseitigung der Schäden. Die Lage wird erschwert dadurch, dass fast alle unsere Projekte in „Roten Zonen“ der Corona-Pandemie mit besonders strengen Beschränkungen liegen.

Wir wollen so schnell wie möglich die am schlimmsten Betroffenen mit dem Nötigsten versorgen und ihnen helfen, alles durchzustehen. Ihre Spenden unter dem Stichwort Corona/Amphan werden es möglich machen!

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Trägerorganisation des Projekts

Indienhilfe e.V.

Indienhilfe e.V.
Register-Nr.: 652

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