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Informationen zum Projekt

1. Umfeld der Maßnahme
Die Alzheimer Angehörigen-Initiative e.V. (AAI e.V.) hat ein enges und umfassendes Betreuungsnetz für pflegende Angehörige von Demenzkranken, insbesondere Alzheimer-Kranken, aufgebaut. Mit einem Bündel von unterstützenden Maßnahmen entlastet die AAI e.V. die Pflegenden psychisch, insbesondere hilft sie ihnen, ihre soziale Isolation zu durchbrechen. Weiter fördert der Verein die Bereitschaft der Angehörigen zur Pflege und erhöht ihre Pflegekompetenz. Dadurch wird u.a. bewirkt, dass eine Heimeinweisung solange wie möglich verzögert wird (ambulant vor stationär).

Die Aktivitäten der AAI e.V. helfen pflegenden Angehörigen Alzheimer-Kranker, ihr Belastungserleben zu bewältigen. Darüber hinaus erhöht die AAI e.V. über den pflegenden Angehörigen auch am wirkungsvollsten die Lebensqualität des Alzheimer-Kranken selbst. Die pflegenden Angehörigen können aus mehreren Hilfsangeboten diejenigen auswählen, die sie in ihrer speziellen Lebenslage am dringendsten brauchen. Die AAI e.V. leitet Gesprächsgruppen mit gleichzeitiger Krankenbetreuung, führt persönliche und telefonische Beratungen durch, veranstaltet zweimal jährlich einen zehntägigen "Betreuten Urlaub", macht Hausbesuche und leistet häusliche Entlastungsbetreuung. Damit die Angehörigen diese Hilfen überhaupt in Anspruch nehmen können, bietet die AAI e.V. ihre Hilfsangebote dezentral an. Derzeit ist die AAI e.V. in neun Berliner Stadtbezirken Berlins aktiv. Langfristiges Ziel ist die flächendeckende Versorgung Berlins. Die Geschäftsstelle der AAI befindet sich in Berlin-Mitte.

In Berlin-Mitte bietet die AAI e.V. (ehemals Angehörigen-Initiative Berlin) seit 1994 zweimal monatlich fachlich geleitete Gesprächsgruppen mit gleichzeitiger Krankenbetreuung an. Inzwischen hat die AAI e.V. ihre Beratungssprechstunden (von 10 bis 15 Uhr) auf drei Tage pro Woche erweitert. Nach Vereinbarung werden auch Terminvereinbarungen für den Montag und Freitag getroffen. Die Angehörigengruppe wird zur Zeit regelmäßig von ca. 10 - 12 Angehörigen besucht. Damit den Pflegenden überhaupt die Teilnahme an der Gesprächsgruppe möglich gemacht wird, können sie ihren Kranken mitbringen. Diese werden in einem gesonderten Raum von Pflegefachkräften aktivierend betreut. Zur Zeit nehmen regelmäßig 5 - 6 Kranke an dieser Betreuungsgruppe teil. Mit ihren Aktivitäten erreicht die AAI e.V. bis jetzt aber nur einen Bruchteil der Angehörigen von über 600 Demenzkranken, die es allein in Berlin-Mitte gibt. Laut Statistik werden ca. 80 % der Alzheimer-Kranken im häuslichen Bereich von ihren Angehörigen betreut. Für Berlin-Mitte ergibt das ca. 480 pflegende Angehörige Alzheimer-Kranker. D.h. es besteht in Berlin-Mitte weiterhin ein großer Handlungsbedarf zur psychosozialen Unterstützung der Alzheimer-Kranken und ihrer pflegenden Angehörigen.

Viele Pflegende sind am Ende ihrer Kraft und benötigen dringend weitere Entlastung. Für genau diese Menschen soll mit der häuslichen Entlastungsbetreuung ein ergänzendes Hilfsangebot geschaffen werden.

2. Bedeutung der häuslichen Entlastungsbetreuung
Mit der häuslichen Entlastungsbetreuung werden unterschiedliche Ziele verfolgt:
- Sicherung der psychosozialen Betreuung von pflegenden Angehörigen
- Aufbau von neuen sozialen Kontakten, durchbrechen der sozialen Isolation
- Qualitative Verbesserung der Pflege von Alzheimer-Kranken vor Ort
- Körperliche und psychische Entlastung von pflegenden Angehörigen
- Erhaltung der Pflegemotivation
- Vermeidung von Heimaufenthalten (Grundsatz : ambulant vor stationär)
- vorbereitende Maßnahmen zur Aufnahme in eine Tagespflegeeinrichtung im Einzelfall

Folgende Maßnahmen dienen der Zielerreichung:
- Nach der Kontaktaufnahme das häusliche Umfeld kennenlernen
- Praktische Anleitungshilfen geben
- Zeitweise Entlastung bieten
- Familienberatung durchführen
- Soziale Isolation infolge des fortgeschrittenen Krankheitsverlaufs durchbrechen

2.1 Nach der Kontaktaufnahme das häusliche Umfeld kennenlernen
Nach der ersten Einzelberatung sollte grundsätzlich immer ein Hausbesuch stattfinden. Er dient dazu, das häusliche Umfeld kennen zu lernen. So können am wirkungsvollsten praxisgerechte Hinweise zur Erleichterung der Pflegesituation gegeben werden, etwa um durch gezielte Orientierungshilfen die Selbständigkeit zu erhöhen.

2.2 Praktische Anleitungshilfen geben
In der Gesprächsgruppe erworbenes Wissen ist nicht immer ohne weiteres in die Tat umzusetzen. Außerdem gibt es nicht für jedes Problem eine eindeutige Lösung. Demenzerkrankungen erfordern daher viel Phantasie und Einfühlungsvermögen. Sämtliche Faktoren, wie die konkrete Gestaltung des häuslichen Bereichs und des Umgangs der Betroffenen miteinander müssen berücksichtigt werden. Die Pflegefachkraft soll in Kenntnis des häuslichen Umfeldes alternative Herangehensweisen unmittelbar am aktuellen Problem aufzeigen und erläutern. Es liegen Erfahrungen vor, das sich solche praxisbezogenen Hinweise und Ratschläge vor Ort erheblich erleichternd auf den Pflegealltag auswirken. Häufig zeigen Alzheimer-Kranke in der Gruppe ein anderes Verhalten als zuhause. So kommt es z.B. vor, dass sich Kranke daheim nur stumm passiv verhalten, wogegen sie sich in der Krankengruppe aktiv am Gruppengeschehen beteiligen und sich sogar verbal äußern. Hier kann die Pflegefachkraft nach Ansatzpunkten suchen, wie im häuslichen Umfeld das Verhalten positiv beeinflußt werden kann.

In diesen und ähnlich gelagerten Fällen soll die Pflegefachkraft helfen herauszufinden, wie der Kranke zuhause so aktiviert werden kann, das der fortschreitende Krankheitsverlauf durch körperliche und geistige Stimulation günstig beeinflußt werden kann. Hierzu muß sie die häusliche Situation und die Beziehung zwischen dem Alzheimer-Kranken und seinem pflegenden Angehörigen analysieren, thematisieren und Alternativen aufzeigen. Durch die häusliche Entlastungsbetreuung wird ein wichtiger Beitrag geleistet, um z.B. eine drohende Heimeinweisung zu verzögern oder sogar zu verhindern. Gesamtwirtschaftlich stehen den Aufwendungen für die Pflegefachkraft auch Einsparungen an potentiellen Kosten gegenüber.

2.3 Zeitweise Entlastung bieten
Pflegende Angehörige haben oftmals durch die Rund-um-die-Uhr-Pflege jeden persönlichen Freiraum verloren. Erschwerend kommt hinzu, das zu vielen Erledigungen der Kranke nicht mitgenommen werden kann. Dies trifft besonders auf die Angehörigen zu, die keine familiäre Unterstützung erhalten. Sie benötigen ganz besonders zu ihrer zeitweisen Entlastung die häusliche Betreuung des Kranken, nicht nur um den Alltag zu bewältigen, sondern auch um ihre Pflegemotivation zu erhalten und um sich regelmäßig regenerieren zu können.

2.4 Familienberatung
Hausbesuche bieten zuweilen den angemessenen Rahmen für eine Familienberatung. An Familienberatungen beteiligen sich u.a. auch Kinder bzw. Enkel des Erkrankten. Diese leiden nämlich ganz besonders unter der aus dem Gleichgewicht geratenen häuslichen Situation. Im Verlauf dieser Gespräche wird Verständnis für die schwierige Lebenslage des Kranken geweckt und Möglichkeiten des konfliktarmen Umgangs diskutiert. Solche Gespräche führen zur Entlastung der Hauptpflegeperson auf zweierlei Weise: Zum einen wird gemeinsam erörtert, wer welche Pflegeleistungen noch in der Familie erbringen kann. Zum anderen werden eine gemeinsame Sichtweise für die neu entstandene familiäre Situation erarbeitet und gegenseitiges Verständnis geweckt.

2.5 Soziale Isolation infolge des fortgeschrittenen Krankheitsverlaufs durchbrechen
Wenn aufgrund des fortschreitenden Krankheitsverlaufs der Kranke - und damit meist auch sein pflegender Angehöriger - immobil geworden sind, ermöglicht die häusliche Entlastungsbetreuung
- dem Pflegenden die weitere Teilnahme an der Angehörigengruppe, bzw.
- die Fortsetzung der psychosozialen Unterstützung im häuslichen Umfeld und
- die aktivierende Betreuung durch eine Pflegefachkraft.

2.5.1 Pflegenden die weitere Teilnahme an der Angehörigengruppe ermöglichen
Pflegende Angehörige, die selber noch körperlich mobil sind, wird durch die häusliche Entlastungsbetreuung die Fortsetzung ihrer Teilnahme an den Gesprächsgruppen ermöglicht. Dadurch können diese Angehörigen auch weiterhin über den Krankheitsverlauf und den angemessenen Umgang mit dem Kranken informiert werden. Durch Thematisierung ihrer bedrückenden Gefühle werden sie psychisch entlastet und ihre soziale Isolation wird durch die Gemeinschaft Gleichbetroffener erheblich reduziert.
Der Alzheimer-Kranke wird währenddessen in seinem häuslichen Umfeld unter Berücksichtigung seiner Restfähigkeiten therapeutisch aktiviert. Dies hilft auch, die soziale Isolation des Kranken zu reduzieren (siehe 2.6.3).

2.5.2 Fortsetzung der psychosozialen Unterstützung im häuslichen Umfeld
Vor allem für pflegende Angehörige, welche die Hilfsangebote Beratungssprechstunde und Gruppenaktivitäten aufgrund eigener Gebrechlichkeit nicht nutzen können, ist der Hausbesuch der einzige nennenswerte soziale Kontakt auf gleicher Ebene. Die Isolation, in der sich der Alzheimer-Kranke zusammen mit seinem pflegenden Angehörigen befindet, kann oftmals deshalb nicht durchbrochen werden, weil die Mobilität der Betroffenen erheblich einschränkt ist. Ein Grund hierfür kann z.B. die häufige Weglauftendenz und Desorientierung des Kranken sein. Der Großstadtverkehr stellt dann eine erhebliche Gefahr für Leib und Leben des Kranken dar. Der pflegende Angehörige kann dann die Wohnung auch nur für kurze Zeit verlassen, weil der Kranke der Beaufsichtigung bedarf, ohne die er sich selbst sowie Hab und Gut erheblich schädigen würde.

2.5.3 Häusliche Entlastungsbetreuung zur Aktivierung des Alzheimer-Kranken
Der Alzheimer-Kranke soll in seinem häuslichen Umfeld unter Berücksichtigung seiner Restfähigkeiten therapeutisch aktiviert werden. Dies trägt dazu bei, dass der Kranke mit neuen Wahrnehmungsreizen versorgt wird, wodurch auch der krankheitsbedingten Reizarmut entgegengewirkt wird. Dies hilft auch, die soziale Isolation des Kranken zu reduzieren.

3. Aufgaben im Rahmen der Häuslichen Entlastungsbetreuung
Die Aufgaben der Pflegefachkraft, welche die häusliche Entlastungsbetreuung durchführt, lassen sich durch folgende Punkte beschreiben:
- aktiv zuhören, Eindrücke vom Kranken, dem Angehörigen und deren Umfeld sammeln
- auf Situationen achten, die Anleitungshilfen erfordern
- aufklären und Anleitungshilfen geben
- motivieren, ergänzende Entlastungsangebote (z.B. eine Tagespflegestätte) in Anspruch zu nehmen
- nach dem Erfolg von früher erteilten Ratschlägen nachfragen
- ggf. Alternativen aufzeigen
-die wichtigsten Punkte und getroffenen Vereinbarungen dokumentieren
- dokumentieren von Erkenntnissen aus der Maßnahme in einem Bericht

4. Ergebnis der Häulichen Entlastungsbetreuung
Die pflegenden Angehörigen lernen mit der Krankheit zu leben, statt vergebens gegen sie anzukämpfen. Dadurch
- betreuen und pflegen sie den Demenzkranken angemessener,
- zeigen sie weniger Burn Out Syndrome
- führen sie die Betreuung und Pflege länger durch und
- nehmen sie (länger) ambulante und ggf. auch teilstationäre Dienste, wie Sozialstationen und Tagespflegeeinrichtungen, in Anspruch.

Die im häuslichen Umfeld betreuten Alzheimer-Kranken
- leben ggf. verloren geglaubte Kompetenzen wieder aus,
- bauen behutsam neue soziale Kontakte auf.
- Der Krankheitsverlauf wird verzögert.

Mit diesem Leistungsangebot wird eine bestehende Versorgungslücke für pflegende Angehörige von Alzheimer-Kranken in Berlin geschlossen. Zusammen mit den bestehenden Leistungsangeboten der AAI e.V. führt die Häusliche Entlastungsbetreuung zu einer Versorgungsqualität für Alzheimer-Kranke und ihre Angehörigen, wie sie für Berlin neuartig ist. Dadurch wird ein wichtiger Beitrag zur Verbesserung der Versorgungsstruktur geleistet. So werden z.B. drohende Heimeinweisungen verzögert oder sogar verhindert (ambulant vor stationär). Gesamtwirtschaftlich stehen somit den Aufwendungen für diese Maßnahme auch Einsparungen an potentiellen Kosten gegenüber.

Weitere Hilfsprojekte von Alzheimer Angehörigen-Initiative e.V.

Trägerorganisation des Projekts

Alzheimer Angehörigen-Initiative e.V.

Alzheimer Angehörigen-Initiative e.V.
Register-Nr.: VR 17728 NZ

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